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So
gewinnen Sie mehr Zeit
Die Unfähigkeit, "Nein" zu sagen, ist einer der größten Zeitdiebe im
Arbeitsalltag. Jede noch so ausgeklügelte Planung wird dadurch hinfällig.
Wer sich immer und sofort um die Anliegen und Bedürfnisse der anderen
kümmert, weil er niemanden enttäuschen will, kommt nicht mehr zu seinen
eigenen Arbeiten. Das heißt aber auch: Wenn Sie Probleme mit dem Neinsagen
haben, haben Sie eine große, bisher ungenutzte Zeitreserve. "Nein" zu
sagen können Sie lernen!
Die Gründe für die
Unfähigkeit, "Nein" zu sagen, reichen meist weit in die Kindheit zurück.
Eine strenge, auf Gehorsam setzende Erziehung beispielsweise oder ein
Elternteil, das sich für andere aufopfert, können bei Kindern die Idee "Es
ist nicht okay, zu anderen "Nein" zu sagen" entstehen lassen. Und diese
Einstellung haben Sie dann noch als Erwachsene, ohne sie jemals auf ihre
Gültigkeit überprüft zu haben.
Unsere Vorstellung, welche
unangenehmen Folgen es haben wird, wenn wir "Nein" sagen, sind deshalb oft
eher die eines Kindes als die eines Erwachsenen, der ganz andere
Möglichkeiten hat, seine Rechte zu vertreten.
Die 7 Irrtümer des Jasagens
Viele Menschen probieren das Neinsagen gar nicht erst aus, weil sie etwa
dem Eindruck unterliegen: "Es kann ja nur schlecht für mich ausgehen.
Warum also das Risiko eingehen?" Oder sie erhoffen sich vom Jasagen
handfeste Vorteile, wie beispielsweise:
- Ich bin beliebt und habe viele Freunde.
- Ich werde für höflich und bescheiden
gehalten.
- Ich vermeide Konflikte.
- Ich kann anderen die Schuld daran geben,
wenn ich in Stress gerate oder das Gefühl habe, meine Aufgaben nicht
mehr im Griff haben.
- Ich kann mir die schmeichelhafte Frage
stellen, was die anderen ohne mich täten.
- Ich brauche keine Verantwortung für mein
Handeln zu übernehmen - die Verantwortung liegt bei den anderen, die
über meine Zeit verfügen.
Kommt Ihnen aus dieser Liste
der eine oder andere Punkt bekannt vor? Tatsache ist jedoch: Was Ihnen im
Moment noch als Vorteil des Jasagens erscheint, wird sich bei genauerer
Betrachtung als Irrtum erweisen. Überprüfen Sie doch einmal die folgenden
Irrtümer, und stellen Sie mit den dazugehörigen Gegenargumenten fest, wo
der "Denkfehler" liegt:
1. "Wenn ich "Nein" sage, wird
der andere mich ablehnen. Dabei ist mir seine Sympathie wichtig."
Gegenargument: Das ist nur eine Vermutung. Wissen können Sie das
erst, wenn Sie es ausprobiert haben. Wenn er Sie nur mag, weil Sie immer
das tun, was er von Ihnen erwartet: Was für eine Art von Freundschaft ist
das?
2. "Wenn ich "Nein" sage, bin
ich schuld daran, wenn der andere enttäuscht ist oder in Schwierigkeiten
kommt. Er hat sich doch auf mich verlassen!"
Gegenargument: Das kann ja sein, aber vielleicht hat er auch
Verständnis für Ihre Lage? Außerdem: Wenn er seine Arbeit so plant, dass
er sie nur schaffen kann, wenn Sie einen Teil davon übernehmen, ist das
seine Verantwortung und nicht Ihre! Schließlich hätte er Sie rechtzeitig
fragen und sich gegebenenfalls um Alternativen kümmern können.
3. "Wenn ich "Nein" sage, ist
das herzlos und egoistisch. Das möchte ich nicht sein, da habe ich ein
schlechtes Gewissen."
Gegenargument: Egoistisch sind eher die anderen, die Ihre
Hilfsbereitschaft schamlos ausnutzen. Es ist nicht herzlos oder
egoistisch, darauf zu achten, dass die eigenen Wünsche nicht zur kurz
kommen. Machen Sie das sich und den anderen klar.
4. "Wenn ich "Nein" sage, wird
es Krach geben. Der andere wird aggressiv werden."
Gegenargument: Zugegeben, Konflikte sind nicht angenehm. Wenn Sie
Ihre Ablehnung aber ruhig und freundlich vorbringen, hat der andere
vielleicht sogar Respekt vor Ihnen, eben weil Sie sich nicht alles
gefallen lassen. Und zur Not können Sie das Gespräch ja immer noch
abbrechen, wenn der andere ausfallend werden sollte.
5. "Wenn ich "Nein" sage,
verliere ich das Wohlwollen meiner Kollegen, Mitarbeiter oder
Vorgesetzten, verliere ich den Auftrag oder gar meine Stelle."
Gegenargument: Wenn Sie immer und in jeder Situation Nein sagen,
könnten Sie mit dieser Befürchtung sogar Recht haben. Wenn Sie es nur dann
tun, wenn es nötig ist, werden die anderen lernen, Sie zu achten und Ihre
Wünsche ernst zu nehmen.
6. "Wenn ich "Nein" sage,
lasse ich die anderen hängen. Die brauchen mich doch, weil sie allein
nicht klarkommen."
Gegenargument: Natürlich ist es bequem für andere, einen Menschen,
der einem jederzeit mit Rat und Tat zur Hilfe eilt, in der Nähe zu haben.
Dann braucht man nicht selber zu denken und zu handeln. In Wirklichkeit
tun Sie sich keinen Gefallen, wenn Sie Ihre Kollegen oder Teilhaber
hindern, selber nach Lösungen zu suchen und Verantwortung zu übernehmen.
7. "Wenn ich heute "Nein"
sage, wird der andere mir meine Bitten in Zukunft auch nicht erfüllen!"
Gegenargument: Lösen Sie sich von dem Gedanken, dass immer eine
Hand die andere wäscht. Wenn Sie nicht deutlich machen, dass Ihr "Ja" mit
dem Wunsch nach Gegenseitigkeit verbunden ist, wird sich vermutlich
niemand an Ihre "guten Taten" erinnern.
Ihre 4 großen Trümpfe, wenn
Sie lernen "Nein" zu sagen
1. Mehr Zeit für sich und
eigene Arbeiten
Akzeptieren Sie zusätzliche Aufgaben und Anforderungen nicht, wenn Sie
weder Zeit noch Lust dazu haben. Sie kommen endlich wie geplant zu Ihren
eigenen Arbeiten und haben auch mehr Freizeit.
2. Gestärktes
Selbstbewusstsein
Sagen Sie nicht vorschnell "Ja." Sie erleben Ihre Unfähigkeit, "Nein"
zu sagen, schnell als Versagen und halten sich deshalb für weniger wichtig
und durchsetzungsfähig. Bei nächster Gelegenheit fehlt Ihnen erst recht
der Mut, unberechtigte Ansprüche abzuwehren. Wenn Sie diesen Teufelskreis
durchbrechen, werden Sie nicht nur mehr Zeit, sondern auch mehr
Selbstbewusstsein bekommen.
3. Planungsspielräume
Wenn Sie Ihre Ziele nicht konsequent verfolgen, werden Sie nicht von
anderen verplant. Sagen Sie "Nein", wenn jemand Sie aufhalten will. Nur so
gewinnen Sie Handlungs- und Planungsspielräume.
4. Wirkliche Freunde
Wenn Sie zu den Leuten gehören, die man zu jeder Zeit um Hilfe bitte kann,
sind Sie sicher sehr beliebt. Aber Sie wissen nicht, ob man Ihre Person
oder Ihre Verfügbarkeit schätzt. Wenn Sie aufhören, sich ausnutzen zu
lassen, können Sie erkennen, wer Sie wirklich mag.
Anfangs eine hilfreiche
Strategie: Verschaffen Sie sich Bedenkzeit
Die meisten ungewollten Zusagen rutschen Ihnen wahrscheinlich spontan
heraus - sozusagen als Reflex auf den bittenden Blick Ihres Gegenübers.
Solchen Reflexen mit kühlem Verstand zu widerstehen, ist gerade am Anfang
nicht ganz einfach.
Am besten schützen Sie sich
vor solchen Überrumpelungen, indem Sie es sich zur Regel machen, nie
sofort, sondern erst nach einer Bedenkzeit zu antworten. Und diese
Bedenkzeit sollten Sie sich nach Möglichkeit nicht vor den Augen des
anderen nehmen, sondern allein und in aller Ruhe.
So können Sie beispielsweise
antworten:
- "Das kann ich im Moment nicht sagen, da
muss ich erst meine Termine überprüfen. Rufen Sie mich doch in einer
halben Stunde noch einmal an, dann weiß ich mehr."
- "So kann ich das nicht entscheiden, dazu
müsste ich erst die Unterlagen prüfen. Schicken Sie mir die doch einfach
zu."
- Ich muss erst mit XY Rücksprache halten
- ich rufe Sie in der nächsten halben Stunde wieder an."
So gewinnen Sie Zeit, die Sie
nutzen können, um darüber nachzudenken, ob Sie "Ja" oder "Nein" sagen
wollen. Und wenn Sie sich dann dafür entscheiden, Nein zu sagen, tun Sie
dies diplomatisch, ohne jemanden vor den Kopf zu stoßen oder zu verärgern.
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