Konsequent "Nein" sagen: Räumen Sie jetzt mit den Irrtümern des Ja Sagens auf

(Verlag fuer die Deutsche Wirtschaft AG [wochenendausgabe@vnr-ag.de])

 

So gewinnen Sie mehr Zeit
Die Unfähigkeit, "Nein" zu sagen, ist einer der größten Zeitdiebe im Arbeitsalltag. Jede noch so ausgeklügelte Planung wird dadurch hinfällig. Wer sich immer und sofort um die Anliegen und Bedürfnisse der anderen kümmert, weil er niemanden enttäuschen will, kommt nicht mehr zu seinen eigenen Arbeiten. Das heißt aber auch: Wenn Sie Probleme mit dem Neinsagen haben, haben Sie eine große, bisher ungenutzte Zeitreserve. "Nein" zu sagen können Sie lernen!

Die Gründe für die Unfähigkeit, "Nein" zu sagen, reichen meist weit in die Kindheit zurück. Eine strenge, auf Gehorsam setzende Erziehung beispielsweise oder ein Elternteil, das sich für andere aufopfert, können bei Kindern die Idee "Es ist nicht okay, zu anderen "Nein" zu sagen" entstehen lassen. Und diese Einstellung haben Sie dann noch als Erwachsene, ohne sie jemals auf ihre Gültigkeit überprüft zu haben.

Unsere Vorstellung, welche unangenehmen Folgen es haben wird, wenn wir "Nein" sagen, sind deshalb oft eher die eines Kindes als die eines Erwachsenen, der ganz andere Möglichkeiten hat, seine Rechte zu vertreten.

Die 7 Irrtümer des Jasagens
Viele Menschen probieren das Neinsagen gar nicht erst aus, weil sie etwa dem Eindruck unterliegen: "Es kann ja nur schlecht für mich ausgehen. Warum also das Risiko eingehen?" Oder sie erhoffen sich vom Jasagen handfeste Vorteile, wie beispielsweise:

  • Ich bin beliebt und habe viele Freunde.
  • Ich werde für höflich und bescheiden gehalten.
  • Ich vermeide Konflikte.
  • Ich kann anderen die Schuld daran geben, wenn ich in Stress gerate oder das Gefühl habe, meine Aufgaben nicht mehr im Griff haben.
  • Ich kann mir die schmeichelhafte Frage stellen, was die anderen ohne mich täten.
  • Ich brauche keine Verantwortung für mein Handeln zu übernehmen - die Verantwortung liegt bei den anderen, die über meine Zeit verfügen.

Kommt Ihnen aus dieser Liste der eine oder andere Punkt bekannt vor? Tatsache ist jedoch: Was Ihnen im Moment noch als Vorteil des Jasagens erscheint, wird sich bei genauerer Betrachtung als Irrtum erweisen. Überprüfen Sie doch einmal die folgenden Irrtümer, und stellen Sie mit den dazugehörigen Gegenargumenten fest, wo der "Denkfehler" liegt:

1. "Wenn ich "Nein" sage, wird der andere mich ablehnen. Dabei ist mir seine Sympathie wichtig."
Gegenargument: Das ist nur eine Vermutung. Wissen können Sie das erst, wenn Sie es ausprobiert haben. Wenn er Sie nur mag, weil Sie immer das tun, was er von Ihnen erwartet: Was für eine Art von Freundschaft ist das?

2. "Wenn ich "Nein" sage, bin ich schuld daran, wenn der andere enttäuscht ist oder in Schwierigkeiten kommt. Er hat sich doch auf mich verlassen!"
Gegenargument: Das kann ja sein, aber vielleicht hat er auch Verständnis für Ihre Lage? Außerdem: Wenn er seine Arbeit so plant, dass er sie nur schaffen kann, wenn Sie einen Teil davon übernehmen, ist das seine Verantwortung und nicht Ihre! Schließlich hätte er Sie rechtzeitig fragen und sich gegebenenfalls um Alternativen kümmern können.

3. "Wenn ich "Nein" sage, ist das herzlos und egoistisch. Das möchte ich nicht sein, da habe ich ein schlechtes Gewissen."
Gegenargument: Egoistisch sind eher die anderen, die Ihre Hilfsbereitschaft schamlos ausnutzen. Es ist nicht herzlos oder egoistisch, darauf zu achten, dass die eigenen Wünsche nicht zur kurz kommen. Machen Sie das sich und den anderen klar.

4. "Wenn ich "Nein" sage, wird es Krach geben. Der andere wird aggressiv werden."
Gegenargument: Zugegeben, Konflikte sind nicht angenehm. Wenn Sie Ihre Ablehnung aber ruhig und freundlich vorbringen, hat der andere vielleicht sogar Respekt vor Ihnen, eben weil Sie sich nicht alles gefallen lassen. Und zur Not können Sie das Gespräch ja immer noch abbrechen, wenn der andere ausfallend werden sollte.

5. "Wenn ich "Nein" sage, verliere ich das Wohlwollen meiner Kollegen, Mitarbeiter oder Vorgesetzten, verliere ich den Auftrag oder gar meine Stelle."
Gegenargument: Wenn Sie immer und in jeder Situation Nein sagen, könnten Sie mit dieser Befürchtung sogar Recht haben. Wenn Sie es nur dann tun, wenn es nötig ist, werden die anderen lernen, Sie zu achten und Ihre Wünsche ernst zu nehmen.

6. "Wenn ich "Nein" sage, lasse ich die anderen hängen. Die brauchen mich doch, weil sie allein nicht klarkommen."
Gegenargument: Natürlich ist es bequem für andere, einen Menschen, der einem jederzeit mit Rat und Tat zur Hilfe eilt, in der Nähe zu haben. Dann braucht man nicht selber zu denken und zu handeln. In Wirklichkeit tun Sie sich keinen Gefallen, wenn Sie Ihre Kollegen oder Teilhaber hindern, selber nach Lösungen zu suchen und Verantwortung zu übernehmen.

7. "Wenn ich heute "Nein" sage, wird der andere mir meine Bitten in Zukunft auch nicht erfüllen!"
Gegenargument: Lösen Sie sich von dem Gedanken, dass immer eine Hand die andere wäscht. Wenn Sie nicht deutlich machen, dass Ihr "Ja" mit dem Wunsch nach Gegenseitigkeit verbunden ist, wird sich vermutlich niemand an Ihre "guten Taten" erinnern.

Ihre 4 großen Trümpfe, wenn Sie lernen "Nein" zu sagen

1. Mehr Zeit für sich und eigene Arbeiten
Akzeptieren Sie zusätzliche Aufgaben und Anforderungen nicht, wenn Sie weder Zeit noch Lust dazu haben. Sie kommen endlich wie geplant zu Ihren eigenen Arbeiten und haben auch mehr Freizeit.

2. Gestärktes Selbstbewusstsein
Sagen Sie nicht vorschnell "Ja." Sie erleben Ihre Unfähigkeit, "Nein" zu sagen, schnell als Versagen und halten sich deshalb für weniger wichtig und durchsetzungsfähig. Bei nächster Gelegenheit fehlt Ihnen erst recht der Mut, unberechtigte Ansprüche abzuwehren. Wenn Sie diesen Teufelskreis durchbrechen, werden Sie nicht nur mehr Zeit, sondern auch mehr Selbstbewusstsein bekommen.

3. Planungsspielräume
Wenn Sie Ihre Ziele nicht konsequent verfolgen, werden Sie nicht von anderen verplant. Sagen Sie "Nein", wenn jemand Sie aufhalten will. Nur so gewinnen Sie Handlungs- und Planungsspielräume.

4. Wirkliche Freunde
Wenn Sie zu den Leuten gehören, die man zu jeder Zeit um Hilfe bitte kann, sind Sie sicher sehr beliebt. Aber Sie wissen nicht, ob man Ihre Person oder Ihre Verfügbarkeit schätzt. Wenn Sie aufhören, sich ausnutzen zu lassen, können Sie erkennen, wer Sie wirklich mag.

Anfangs eine hilfreiche Strategie: Verschaffen Sie sich Bedenkzeit
Die meisten ungewollten Zusagen rutschen Ihnen wahrscheinlich spontan heraus - sozusagen als Reflex auf den bittenden Blick Ihres Gegenübers. Solchen Reflexen mit kühlem Verstand zu widerstehen, ist gerade am Anfang nicht ganz einfach.

Am besten schützen Sie sich vor solchen Überrumpelungen, indem Sie es sich zur Regel machen, nie sofort, sondern erst nach einer Bedenkzeit zu antworten. Und diese Bedenkzeit sollten Sie sich nach Möglichkeit nicht vor den Augen des anderen nehmen, sondern allein und in aller Ruhe.

So können Sie beispielsweise antworten:

  • "Das kann ich im Moment nicht sagen, da muss ich erst meine Termine überprüfen. Rufen Sie mich doch in einer halben Stunde noch einmal an, dann weiß ich mehr."

     
  • "So kann ich das nicht entscheiden, dazu müsste ich erst die Unterlagen prüfen. Schicken Sie mir die doch einfach zu."

     
  • Ich muss erst mit XY Rücksprache halten - ich rufe Sie in der nächsten halben Stunde wieder an."

     

So gewinnen Sie Zeit, die Sie nutzen können, um darüber nachzudenken, ob Sie "Ja" oder "Nein" sagen wollen. Und wenn Sie sich dann dafür entscheiden, Nein zu sagen, tun Sie dies diplomatisch, ohne jemanden vor den Kopf zu stoßen oder zu verärgern.

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